Für die meisten Menschen ist Sport jeglicher Art etwas für die Freizeit. Bei diversen Hobbies stehen die gesellschaftlichen Aspekte im Vordergrund oder einfach die Freude an der Bewegung. Viele nutzen sportliche Aktivitäten für einen psychischen und körperlichen Ausgleich zum vorwiegend sitzenden Alltag. Doch Bewegung und Training sind auch eine wesentliche Säule in der Prävention und Behandlung von zahlreichen Erkrankungen. In diesem Blogbeitrag wird kurz auf die Ursachen und ausführlicher auf die Auswirkungen auf einige der häufigsten Zivilisationskrankheiten eingegangen.

 

Zunächst einmal: was sind Zivilisationskrankheiten?

Diese sehr uneinheitliche Gruppe von Erkrankungen wird auch häufig als Wohlstandskrankheiten bezeichnet. Ihr gemeinsames Kennzeichen ist, dass sie durch die Lebensweise in der Zivilisation hervorgerufen werden. Je höher der Wohlstand einer Gesellschaft ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit für ihr auftreten. Die wichtigsten Beispiele sind:

 

    • Karies
  • Herz- und Gefäßkrankheiten
  • Diabetes mellitus Typ 2 (DMT2)
  • Bluthochdruck
  • Übergewicht und Adipositas
    • Gicht
    • manche Allergien
  • bestimmte Krebserkrankungen (z. B. Lungenkrebs, Darmkrebs)
  • bestimmte Hauterkrankungen (z. B. Neurodermitis, Akne)
  • Kurzsichtigkeit
  • bestimmte psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen, Angsterkrankungen und Essstörungen (Anorexia nervosa, Bulimia nervosa)

 

Ein Merkmal, von allen bis auf Karies und Kurzsichtig ist auch, sie können nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden: in diesem Zusammenhang spricht man auch von Nicht-übertragbaren Erkrankungen. Besonders die Stoffwechselkrankheiten wie Typ 2 Diabetes und die Herzkreislauferkrankungen kündigen sich im Regelfall lange Zeit an und nehmen ihren Ursprung im sogenannten unter anderem im metabolischen Syndrom. Hierunter werden Veränderungen an bestimmten Blutwerten und eine Bauchumfangerhöhung zusammengefasst. Es gibt keine einheitliche Definition, sondern sowohl die Weltgesundheitsorganisation wie auch Fachgesellschaften im Bereich Diabetes und Herz- und Gefäßerkrankungen bieten leicht voneinander abweichende Auslegungen. Gemeinsam ist jedoch allen, dass sie folgende Punkte miteinbeziehen

 

  • Bluthochdruck
  • Blutcholesterin- und Triglycerid-Wert
  • Abweichungen im Zuckerstoffwechsel
  • Bei allen Definitionen außer der WHO wird der Bauchumfang oder das Verhältnis von Taille zu Hüfte mitberücksichtigt.

 

Beim metabolischen Syndrom spielt die Fettansammlung im Bauchraum, das sogenannte viszerale Fett eine entscheidende Rolle. Es besteht ein einfacher Zusammenhang zwischen eben diesem Abdominalfett und dem Aktivitätslevel einer Person. Ein inaktiver Lebensstil, etwa eine Schrittreduktion von 10000 auf 1500 Schritte pro Tag führt innerhalb von 2 Wochen zu einem Anstieg des „Bauchfetts“ um 7 Prozent. Dieses, leider nicht direkt sichtbare Fett aktiviert ein Netzwerk von Entzündungssignalwegen im Körper, die weitreichende Folgen haben können: Insulinresistenz, Neurodegeneration, Tumorwachstum, Muskelschwund und Atherosklerose. 

 

Auf der anderen Seite sind unsere Muskeln weit mehr als die Beweger unserer Knochen und damit unsere „Mobilitätsgarantie“. In den letzten 2 Jahrzehnten veränderte sich aus medizinischer Sicht grundlegend die Wahrnehmung: Das Muskelfleisch ist ein endokrines Organ. Das bedeutet, durch Muskelaktivierung kommt es zu einer Ausschüttung von Botenstoffen, die in anderen Organen und Körperbereichen etwas bewirken. Diese Stoffe werden wissenschaftlich Myokine genannt, also Beweger aus den Muskeln. Diese Signalstoffe wirken etwa auf das Fettgewebe, die Bauchspeicheldrüse, die Leber aber auch auf die Knochen und das Gehirn. Dadurch wurde der positive Effekt von Sport auf einer Ganzkörperebene erklärbar. Dabei ist einerseits bereits die Aktivität im Alltag wichtig, weshalb es die allgemeine Empfehlung gibt, rund 10 Tausend Schritte täglich zu machen. Andererseits sollte darüber hinaus gezieltes Training von Muskeln und Herzkreislaufsystem stattfinden, um über Jahre hinweg die Muskelmasse zu erhalten und das Herz zu stärken. 

 

Zusätzlich verbessert sich durch regelmäßiges Training die Funktion der Kraftwerke der Zellen, also der Mitochondrien. Diese verbrennen bei Belastungen unterhalb der maximalen persönlichen Leistungsgrenze mehr Fett als bei Untrainierten. Ebenso wird ein wichtiger Tumorsurpressor, also ein Protein, das Zellen vor der Krebsentwicklung schützt, aktiviert und insgesamt dem chronischen Entzündungszustand des metabolischen Syndroms bzw. übermäßigen Viszeralfetts entgegengewirkt. Das ist auch wichtig für die Normalisierung von Fett- und Zuckerstoffwechsel der Leber. Vor allem durch kardiovaskuläres Training verbessert sich die Stresstoleranz und dadurch dient die Fitness als Puffer gegen Stress, welcher seinerseits ein Treiber von chronischen Krankheiten ist.

 

Aus den verschiedensten wissenschaftlichen Studien konnte durch regelmäßiges Training ein vermindertes Risiko für mehr als 35 Erkrankungen errechnet werden. Darunter befinden sich alle großen Zivilisationskrankheiten, wie Diabetes mellitus Typ 2 (DMT2), Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch einige Krebsarten. 

 

Für einige Krankheiten die genaueren Effekte:

Für Diabetes mellitus Typ 2 herrscht internationale Übereinstimmung, dass Bewegung neben Ernährung und Medikation die wesentliche Säule zur Behandlung darstellt. Die chronische Entzündung, welche durch das Abdominalfett bedingt wird, verursacht die Insulinresistenz. Das heißt, Insulin wird zwar von der Bauchspeicheldrüse produziert, doch die Wirkung des Hormons stark reduziert. Die Primärfunktion ist es jedoch den Blutzucker zu senken, indem er in die Muskelzellen geschleust wird. Das veraltete Bild der „ermüdeten“ Bauchspeicheldrüse ist letztlich nur das Resultat einer langen Reise, bei der die oder der Betroffene wortwörtlich nicht vom Fleck gekommen sind. Neben den reduzierten Entzündungsmarkern durch Training, ermöglicht Bewegung an sich die Aufnahme von Blutzucker in die Muskelzellen unabhängig von Insulin. Außerdem setzt Sport einen weiteren Botenstoff frei, der für eine Verzögerung der Magenentleerung sorgt. Dieser Effekt trägt zusätzlich zur Blutzuckerkontrolle bei. 

 

Für die Herzkreislaufkrankheiten stehen die Senkung von Cholesterin, Triglylceriden und des Blutdrucks durch Bewegung und Sport im Vordergrund. Selbst bei bereits bestehenden koronaren Herzerkrankungen kommt es zu einer Verbesserung und damit zu einem längeren (Über)Leben (mit vermutlich mehr Lebensqualität). Neben den allgemeinen Effekten auf Herz und Muskeln scheint es hierbei durch Sport zur Ausschüttung eines Signalstoff zu kommen, der die Neubildung von Kleinstgefäßen fördert und damit nicht nur die Herzkranzgefäße vor der Gefahr einer Minderdurchblutung schützt.

 

Wenige Wissen, dass die Krebsentstehung zu einem Drittel bis zu 50 Prozent vom Lebensstil abhängt. Der Rest der Erkrankungswahrscheinlichkeit teilen sich die Gene und Umwelteinflüsse wie Chemikalien und Krankheitserreger auf. Training kann einen Beitrag zum Schutz davor beitragen, da durch die ausgeschütteten Myokine aus den Muskelzellen der gezielte Zelltod ausgelöst wird. Das geschieht sogar gezielt in Krebszellen, weshalb Sport Teil einer modernen Krebsbehandlung ist. Ein weiteres Hormon, welches durch Training ausgeschüttet wird, das Adrenalin bewirkt einen Anstieg von natürlichen Killerzellen im Blut. Diese Bestandteile des angeborenen Immunsystems wandern nachfolgend in Gewebe ein und zerstören dort entartete Zellen. 

 

Mit der steigenden Anzahl von Menschen mit Zivilisationskrankheiten und den zahlreichen positiven Effekten von Bewegung auf die fatalsten dieser Krankheiten, sollte Sport als weit mehr als Zeitvertreib oder Ausgleich betrachtet werden. Gezieltes Training, wie wir es im Garage Gym anbieten, fördert einerseits das körperliche Wohlbefinden im Jetzt, aber ist ebenfalls die Vorsorge für nachhaltige Gesundheit bis ins hohe Alter.