In der breiten Masse der Freizeitsportler halten sich noch immer zahlreiche Mythen, wenn es um das Thema Muskelkater geht. So hört man einerseits häufig, dass ein Muskelkater nach dem Krafttraining ein Zeichen für ein gutes Training ist. Andererseits denken viele Hobbyläufer, dass Dehnen nach dem Lauftraining dem Muskelkater vorbeugt. In diesem Blogbeitrag geben wir einen Überblick darüber was ein Muskelkater ist und wie er entsteht. Wir besprechen die Bedeutung von Muskelkater im Trainingsfortschritt und zuletzt sollen noch einige Möglichkeiten vorgestellt werden, was getan werden kann, um das Abklingen des Muskelkaters zu beschleunigen.

Was ist ein Muskelkater? Und wie entsteht er?

Auch, wenn der genaue physiologische Entstehungsweg bis heute nicht vollständig geklärt ist, gilt als primäre Ursache eine mechanische, mikrostrukturelle Schädigung des Muskel- und Muskelbindegewebes, die zu einer weiteren lokalen Entzündungsantwort führt. In der englischsprachigen Literatur spricht man von DOMS – delayed onset of muscle soreness – da der Muskelkater üblicherweise erst nach 24 bis 72 Stunden nach der verursachenden Tätigkeit auftritt. Neben dem unangenehmen Schmerz als primäres Symptom kommt es ebenso zu einem Steifigkeitsgefühl in den angrenzenden Gelenken, zu einer verminderten Leistungsfähigkeit, einer leichten Schwellung und einem subjektiven Empfinden von Muskelmüdigkeit. Bereits 1902 wurde das Phänomen vom amerikanischen Arzt Theodore Hough als Ergebnis von Rissen innerhalb des Muskels beschrieben. Das erwies sich als grundsätzlich richtig, doch das wissenschaftliche Bild und Verständnis hat sich seit damals wesentlich verfeinert. So sind es nicht Risse ganzer Muskelfasern, die zu einem Muskelkater führen, sondern unter anderem Schäden an den Halteplatten (z-Scheiben) zwischen den Bewegungsfilamenten innerhalb der Muskelzelle, aber vor allem für den Schweregrad der Schmerzen sind Schädigungen des Muskelbindegewebes verantwortlich, da dieses die Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren des Muskels erhöhen und somit auf Dehnung und Druck reagieren. Durch die Mikrorisse in der Muskelzelle wird auch eine Entzündungsreaktion ausgelöst, bei der Zellen des angeborenen Immunsystems in das verletzte Gewebe einwandern, da sie von Stoffen der verletzten Muskelfasern angezogen werden. So hat die Muskelschädigung Ähnlichkeiten mit einer Infektion. Neben Molekülen, die die Gewebsreparatur erleichtern geben die Immunzellen (Makrophagen) andere anabole Stoffe ab. Dazu weiter unten noch mehr.

Wodurch wird ein Muskelkater verursacht?

Unter den verursachenden Tätigkeiten sind vor allem ungewohnte Sportbelastungen zu nennen. Besonders schnell entsteht ein Muskelkater, wenn die Bewegung eine stark exzentrische Komponente beinhaltet. Exzentrisch bedeutet, dass ein Muskel während der Anspannung auseinandergezogen wird. Einfach ausgedrückt: Der Muskel erfüllt eine Bremsfunktion! Alle Kräftigungsübungen enthalten somit eine exzentrische Phase. Egal, ob beim Bankdrücken, Squat oder auch beim Deadlift und bei Pullups. Nach der Überwindung des Widerstandes (=konzentrische Arbeit) wird das Gewicht bzw. der Körper in einer nachgebenden Bewegung wieder abgesenkt (= exzentrische Arbeit). Andere Beispiele von exzentrischen Bewegungen sind beispielsweise das Abfedern beim Laufen und Springen, selbst beim aktiven Strecken nach dem Ball beim Squash oder Tennis bei einem gleichzeitigen Stoppschritt kommt es zu einer exzentrischen Belastung des Gesäßmuskels und der hinteren Beinmuskulatur. Es gibt eher weniger Beispiele für sportliche Aktivitäten, die keine oder sehr wenig exzentrische Arbeit beinhalten: Schwimmen ist ein solches Beispiel, da immer der Widerstand des Wassers gegeben ist, egal in welche Richtung Hände oder Füße bewegt werden.

Wovon hängt die Stärke des Muskelkaters ab?

Nicht jede neue und damit für den Körper ungewohnte Sporttätigkeit führt zu einem Muskelkater und ebensowenig eine geringe Anzahl von exzentrischen Belastungen wie etwa aus dem fünften Stock zu Fuß die Treppen hinunterlaufen. Wichtige weitere sogenannte Moderatoren sind die Bewegungsgeschwindigkeit, die Wiederholungszahl, die wirkende Kraft, die Pausenlänge zwischen den Belastungen, die Belastungsdauer allgemein sowie die Amplitude der Bewegungsausführung (Range of Motion). So kommen viele Hobbylifter im Gym beim normalen Deadlift ohne Muskelkater davon, doch bei der Variante Romanian Deadlift wird die exzentrische Belastung für die Muskelgruppe der Beinrückseite auf Grund der Bewegungslänge zu groß und es entsteht ein Muskelkater. Ähnliches kann beim Bankdrücken mit Kurzhanteln im Vergleich zur Langhantelstange passieren. Mehr Dehnung bedeutet auch hier ein größere Range of Motion, die begünstigend für einen Muskelkater ist.

Was passiert während eines Muskelkaters?

Die spürbaren Auswirkungen eines Muskelkaters wurden bereits bei der ersten Frage beantwortet (Symptome des Muskelkaters). Die kurzfristige verminderte Leistungsfähigkeit ist mit Sicherheit der nachteiligste Effekt auf die Trainingsplanung. Das gilt vor allem, wenn die Dauer des Muskelkaters 48 Stunden übersteigt. Hierdurch geht wertvolle Zeit verloren, die für erneute Trainings der gleichen Übung oder Muskelgruppe idealerweise genutzt werden sollte. Deswegen ist es an dieser Stelle notwendig zwischen einem ausgewachsenen Muskelkater (DOMS) und kleinen trainingsinduzierten Muskelschädigungen zu unterscheiden. Bei Letzteren bleiben die Symptome von Steifigkeit, Muskelschmerz und Müdigkeit aus, es kommt aber dennoch zu der oben beschriebenen Entzündungsantwort und die Leistungsfähigkeit ist ebenso für rund 24 Stunden reduziert. Die angelockten Immunzellen (Makrophagen und Neutrophile) sorgen einerseits für den Abbau von zerstörten Zellbestandteilen, aber diese Zellen geben andererseits auch wichtige anabole Stoffe ab, die eine wichtige Rolle beim Muskelwachstum spielen. Darunter befinden sich das Interleukin 15 und der Fibroblasten-Wachstumsfaktor. Beide sind zwei aussagekräftige Indikatoren für Muskelmasse. Es werden noch weitere „Zellbeweger“ von den eingewanderten weißen Blutkörperchen ausgeschüttet. All diese Signalstoffe wirken direkt an der Muskelzelle, aber auch an den umgebenden Zellen, wodurch sich die Effektstärke vergrößert. Die Entzündungsantwort ist somit ein Bestandteil des Muskelwachstums, doch die Hauptaufgabe ist dennoch die Beseitigung von Zellabfall, damit dieser keinen weiteren Schaden an den funktionstüchtigen Zellbestandteilen anrichtet.

Neben den Immunzellen und unabhängig von der Stärke der Muskelschädigung werden durch Training und Sport sogenannte Satellitenzellen aktiviert. Das sind ruhende Zellen, die sich am Rand der Muskelfibrillen befinden (siehe Grafik). Es gibt nun zwei Wege, wie Satellitenzellen zum Muskelwachstum beitragen und somit die Regeneration nach Trainings beeinflussen. Erstens: Durch die Produktion von Muskelvorläuferzellen. Diese Ausgangszellen entwickeln sich weiter zu funktionsfähigen Muskelzellen und gliedern sich in das Netzwerk einer Muskelfibrille ein (siehe Grafik). Der zweite Weg, wie Satellitenzellen die Erholung des Muskels begünstigen: Sie geben ihren Zellkern an die Muskelzelle ab (Anmerkung: Muskelzellen besitzen im Gegensatz zu den meisten anderen Zellen im menschlichen Körper viele Zellkerne). Mehr Zellkerne bedeutet, dass mehr und schneller mRNA produziert werden kann. Die hergestellte mRNA dient als Blaupause für wichtige Proteine und daraus besteht Muskelgewebe ja hauptsächlich. So kommt es zur beschleunigten Reparatur von beschädigten Muskelzellbestandteilen. Auch, wenn Satellitenzellenaktivität nichts direkt mit der oben beschriebenen zellulären Entzündungsantwort zu tun hat, ist die Produktion von einem Entzündungsmediator (Prostaglandine der COX-2 Serie) eine entscheidende Voraussetzung. Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAID) oder besser bekannt als Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure und viele weitere hemmen diesen wichtigen Vorgang und behindern somit auch das Muskelwachstum. Abschließend zu den Satellitenzellen ist nochmals darauf hinzuweisen, dass auch ohne Muskelschädigung die beschriebenen zwei Mechanismen vonstattengehen. Ob ein „leichter Muskelkater“ zusätzlich förderlich ist, wurde noch nicht gänzlich geklärt.

Grafik: Quelle: https://bioaktive-kollagenpeptide.de/wirkungen-muskulatur/

Trainings-induzierte Muskelschädigung – nicht unbedingt ein Muskelkater – nach exzentrischen Belastungen ergeben höhere Konzentrationen von Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktoren (IGF-1 Isomere). Es herrscht eine klare Beziehung zwischen IGF-1 und Muskelwachstum und manche Experten sehen in IGF-1 den Hauptvermittler von Muskelmassenzuwachs, der von außerhalb der Zelle kommen kann. IGF-1 führt zu einer höheren Kalziumkonzentration in der Muskelzelle und in weiterer Folge nimmt Kalzium eine wichtige Rolle in der Muskeladaption durch die Regulation verschiedenster Muskelremodellierungsvorgänge ein.

Eine neuere Theorie sieht in der Erhöhung des Wassergehalts in der Muskelzelle in Folge der Entzündungsantwort durch Trainings-induzierte Muskelschädigung einen Beitrag zur Hypertrophie (Anmerkung: Gewebsschwellung gehört neben Rötung, Hitze, Schmerz und eingeschränkter Funktion zu den fünf Kardinalsymptomen der Entzündung). Der erhöhte Druck in der Zelle signalisiert vermutlich eine Bedrohung und führt zu einer Verstärkung der vorhandenen Struktur. Es werden anabole (aufbauende) Prozesse stimuliert – etwa durch erhöhte Proteinsynthese – gleichzeitig kommt es zu einem verminderten Proteinabbau. Insgesamt geht mit der entzündlichen Zellschwellung als Konsequenz einer Muskelschädigung durch Training also eine Ansammlung von Flüssigkeit und Proteinen im Plasma des Gewebes einher. Bei trainierten Personen ist das bis zu zwei Tage lang messbar – bei Untrainierten sogar drei Tage lang.

Ist ein Muskelkater förderlich?

Bevor nun auf einige wissenschaftlich überprüfte Methoden zum Umgang mit geringen Muskelschädigungen und Muskelkater eingegangen wird, soll nochmals klar und eindeutig festgehalten werden, dass es keine geradlinige Dosis-Wirkung-Beziehung zwischen Muskelschädigung/Muskelkater und den daraus folgenden Muskelanpassungen wie Kraftzuwachs oder Muskelzuwachs besteht. Das ganze einfach ausgedrückt: Mehr, ist nicht gleich besser, ist das oberste Credo, wenn es um Muskelkater geht. Es gibt eine klare Grenzlinie, an der zusätzliche Muskelschäden keine weiteren Muskelremodellierungen mehr bewirken. Diese Grenze wurde überschritten, wenn es zu einem ausgewachsenen Muskelkater kommt, da die übertriebenen „Muskelverletzungen“ vermehrt Erholungsprozesse in Anspruch nehmen, die Fähigkeit für weiteres Training verschlechtert und insgesamt die Regenerationszeit die Superkompensationszeit übersteigt. Das bedeutet: Zu dem Zeitpunkt, an dem idealerweise ein erneuter Trainingsreiz gesetzt wird, ist der Muskel noch mit Wiederherstellung des Ausgangswerts beschäftigt. Innerhalb der Trainingsanpassungen spielen nicht nur die strukturellen Muskelgegebenheiten eine wichtige Rolle, sondern beispielsweise auch die Ansteuerung durch das Nervensystem, aber auch Hormone wie Testosteron und das Wachstumshormon wollen durch gezieltes Training erneut ausgeschüttet werden. All diese Prozesse sind wichtige Bestandteile der Superkompensation – also dem Prozess des Erreichens eines höheren Leistungsniveaus rund 24 bis 48 Stunden nach einer Trainingseinheit. Ein Muskelkater ist allein deswegen schon nicht zieldienlich, doch daneben erhöht er in vielen Sportarten auch noch das Risiko für Verletzungen.

Welche Techniken verbessern die Erholung?

Je nach Zeitpunkt und Kontext gibt es unterschiedliche Methoden, die auf zentrale oder periphere Mechanismen abzielen. Zu den wissenschaftlich untersuchten Techniken zählen alle Arten von Kompressionstherapien, Kälteexposition, Stretching und aktive Regeneration. Die Idee hinter einigen Techniken ist es den Platz für Schwellungen oder die Ödembildung zu limitieren.

Zur ersten Klasse der Kompressionstechniken zählen auch Massagen. Diese sind die beste Methode gegen DOMS und der damit einhergehenden gefühlten Muskelmüdigkeit. Das wurde sowohl für Spitzensportler als auch Untrainierte bestätigt. Kompressionsanzüge und (Kalt-)Wassertherapie liefern ebenfalls positive Effekte, allerdings in geringerem Ausmaß als Massagen. Bei Kompressionsanzügen ist die Wirksamkeit bis zu vier Tage nach dem Training gegeben. Es kommt aber zu keiner signifikanten Veränderungen im Entzündungsgeschehen.

Von den weiteren Methoden zeigen aktive Erholung, Cryotherapie und Wechselbäder nur positiven Effekte auf DOMS. Stretching und Massage gemeinsam auch auf gefühlte Müdigkeit. Bei Stretching ist allerdings anzumerken, dass dehnen innerhalb von 6 Stunden nach der Trainings/Sportbelastung die Entstehung eines Muskelkaters fördert.

Unter den Begriff Cryotherapie fallen vielerlei Anwendungen von Kälte, was die wissenschaftliche Auswertung der Effektivität erschwert und womöglich auch verzerrt. Es scheint aber die beste Wirksamkeit bei wiederholten Kälteanwendungen zu geben. Bereits direkt nach der Sportbelastung für 3 Minuten in einer Kältekammer bei -140 bis -196° Celsius sollte die erste Kälteexposition stattfinden. Hierdurch werden Entzündungsvorgänge gebremst. Das macht diese Technik zur Behandlung von Muskelkater eher zu einer Anwendung für Leistungssportler während der Wettkampfphase. Der Freizeitsportler profitiert nur durch eine Reduktion des spürbaren Muskelkaters unmittelbar nach der Kältetherapie.

Sehr ähnlich der Kältekammer ist die Kaltwassertherapie. Vorteil dieser Methode über die Luftkälte: der hydrostatische Druck erleichtert den Abtransport von Flüssigkeiten aus dem Muskel in das Blut. Hierdurch werden Metabolite der Sportbelastung aus dem Muskelgewebe entfernt. Ein weiterer Mechanismus wie Kaltwasserbehandlungen eventuell die Erholung verbessern, ist: durch die Gefäßverengung wird die Flüssigkeitsdiffusion in den Zellzwischenraum reduziert, wodurch die lokale Entzündungsreaktion verringert werden könnte. Jedenfalls geht damit ein reduziertes Schmerzgefühl einher, weshalb 11 bis 15 Minuten in einem Kaltwasserbad mit 11 bis 15° Celsius positive Effekte auf Muskelkater zeigen.

Bleibt noch die aktive Erholung zu erklären: Bereits seit 30 Jahren sind die Effekte auf das Phänomen des Muskelkaters bekannt. Wichtig sind die Dauer und der Zeitpunkt für die Maßnahme zur Verhinderung von Muskelkater. Rund 10 Minuten bei leichter Intensität direkt nach dem Training Ergometer fahren, Rudern oder ähnliches entfernen wieder Metaboliten durch einen vermehrten Blutstrom durch die Muskulatur. Eine andere Art der aktiven Erholung wäre es beispielsweise am Tag nach einer Unterkörpertrainingseinheit den Oberkörper zu trainieren. Auch, wenn es die Regenerationszeit nicht signifikant verbessert, hat Bewegung an sich immer einen schmerzstillenden Effekt und es kommt somit zumindest kurzfristig zu einer Erleichterung der Symptome des Muskelkaters.

Also abschließend: Ziel des Trainings ist es nicht einen Muskelkater zu erzeugen. Dieser ist vielmehr ein Zeichen von ungewohnten oder zu starken Belastungen. Ein gewisses Maß an Trainings-induzierten Muskelschädigungen wird ab einer moderaten Intensität erreicht, wodurch bereits die Muskelremodellierungsvorgänge und viele weitere Prozesse im Körper ausgelöst werden. Die Summe dieser Vorgänge bewirkt eine Muskelanpassung, die zu mehr Kraft und Muskelmasse führen. Um die richtige Dosis der Trainingsintensität zu finden und nach einem funktionierenden Plan zu trainieren, greife auf das Wissen und die Erfahrung von TrainerInnen wie beispielsweise bei uns im Garage Gym zurück. So kannst du ohne unangenehme Begleiterscheinungen kontinuierlich deine Leistung verbessern.